Eine Religion names Wissenschaft

Eine Religion namens Wissenschaft | Von Roberto J. De Lapuente auf Kenfm

»Im Teich wächst eine Seerose. Sie wächst sehr schnell und verdoppelt jeden Tag den Platz an der Oberfläche, den sie einnimmt. Am 29. Tag ist der See halb zugewachsen. Wie lange dauert es dann, bis der See ganz zugewachsen ist?«

Antwort eines Mathematikers: »Ein Tag.«

Antwort von Politikern: »29 Tage.«

»Religion, die: Durch Lehre und Satzungen festgelegter Glaube und sein Bekenntnis.« »Wissenschaft, die: Durch Lehre und Satzungen festgelegter Glaube und sein Bekenntnis.«

Was? Beides kann nicht dasselbe sein? Das war vielleicht mal so. Heute ist es aber dezent anders.

Dieses Gleichnis fand ich vor einiger Zeit bei einer Rechtsanwältin und No-Covid-Aktivistin bei Twitter. Ich antwortete ihr, dass das Gleichnis von einer falschen Prämisse ausgehe: Nämlich von exponentiellem Wachstum. Das habe es aber in dieser ganzen Zeit noch nicht gegeben.

Das stimmt natürlich nicht. Am Anfang war es ein Infizierter. Dann waren es tagsdrauf mindestens zwei weitere, sodass es ein exponentielles Wachstum, also die Verdoppelung des Tageswertes gegeben haben muss. Das vollzog sich allerdings auf niedrigstem Niveau. Und nur ganz am Anfang der Pandemie. Sonst allerdings blieb es aus. Die Rechtsanwältin hatte gar kein Verständnis für meinen Einwand, sie ging auch nicht näher darauf ein.

Harter, noch härterer Lockdown: Moderne Flagellationen

Sie erklärte hingegen lediglich, dass Politik auf Basis wissenschaftlicher Fakten und Abwägungen Entscheidungen treffen müsse. Das bestritt ich außerdem, denn Politik muss mehr im Auge behalten als Wissenschaft. Ihre Reaktion darauf: »Klar.« Mit einem Tränen lachenden Smiley. Es ist ein bisschen müßig, das immer wieder zu repetieren: Aber nach wissenschaftlichen, das heißt in diesem Falle virologischen und medinzinischen Gesichtspunkten politische Entscheidungen zu treffen – und zwar nur nach diesen Kriterien -, geht an jeder demokratischen Grundvorstellung vorbei.

So ein Vorgehen käme einem technokratischen System zupass. So einem haben wir uns eh schon verdammt bedenklich angenähert. Wobei man bei der Technokratie von einem System sprechen müsste, das Erkenntnisse fachgerecht umsetzt und exekutiert. Und nicht, wie in unserem Falle, ein System das Maßnahmen ohne evidenzbasierte Grundlagen – wie man das heute so fachlich versiert sagt – durchboxt. Die Technokratie weiß was und macht es danach – aber was wir erleben, ist in vielen Teilen ein Glaubenskonstrukt.

Die Kampagne um »No Covid« zum Beispiel glänzt ja nicht durch geschaffenes Wissen, durch Wissenschaft (1) also: Es ist ein Bekenntnis, das Produkt einer ratlosen Befindlichkeit, die glaubt, Radikalität sei nun der Weisheit letzter Schluss. Es hat insofern eine Note von den Radikalismen, die manches Glaubenssystem hervorgebracht hat. Man denke nur mal an die Flagellanten des Mittelalters, die sich mit der Geißel selbst kasteiten, um für die von Gott durch die Pest bestrafte Menschheit demütig vor eben jenen Allmächtigen zu bringen. Nur durch Härte sich selbst gegenüber, so die Grundthese, könne man die Gottesstrafe abmildern.

Ich glaube der Wissenschaft?

Die Selbstzüchtigung als Erklärungsansatz ist auch im heutigen Diskurs nicht einfach wegzuschieben. Heute bedient sich kaum noch jemand der Flagellation (2) – außer vielleicht aus sexuellen Gründen. Die Spiritualität ist in diesem Sinne moderner, sie kommt sogar ohne Gott aus. Die alte Religion wurde ja, vereinfacht gesagt, von einem wissenschaftlichen Weltbild abgelöst. Aber der Trieb nach religiöser Bindung ist der Menschheit deswegen nicht abhanden gekommen. Religion stammt als Wort vom Lateinischen religare, was sich frei mit »sich binden« übersetzen ließe. Gemeint ist die Bindung an orthodoxe Vorschriften, die sich religiöse Gemeinschaften zu geben pflegen.

Einen solchen Bindungswunsch hat die Menschheit über mehrere Jahrtausende kultiviert. Man kann folglich schon davon ausgehen, dass er der menschlichen Art immanent ist. Warum sollte das im Zeitalter der Wissenschaft anders, verlorengegangen sein? Daher erweisen sich Sätze wie jener, den man heute oft hört, nämlich der Wissenschaft glauben zu wollen, als gar nicht paradox oder inkohärent. Natürlich kann man auch dem glauben, was man wissen kann. Vielleicht muss man das sogar ganz besonders.

Das heißt freilich nicht, dass Wissenschaft nun eine ganz ordinäre Religion ist. Ihr Anspruch ist ein anderer. Aber es gibt einen tiefen Volksglauben, der keinerlei Interesse an einer kritischen Beleuchtung dessen hat, was Wissen schafft. Er will nicht wissen, wie es geschaffen wird und fragt auch nicht nach, ob das Wissbare etwas ist, was uns als Mensch oder uns als Gesellschaft weiterbringt. Die Philosophen beklagen oft, dass sie ihre Deutungshoheit verloren hätten, weil die verschiedenen Fakultäten heute Antworten zu jenen Fragen lieferten, die die Philosophie früher beackerte. Dadurch sei aber auch eine einordnende Instanz verlorengegangen, die sich mit Metafragen beschäftige. Dieses Vakuum hat einer Wissenschaft, die fast spirituell begutachtet wird, die Tore geöffnet.

Keine Diskussion jetzt, das ist Wissenschaft!

Die Zeiten zu reden, zu beraten und abzuwägen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse politisch umzusetzen sind, sei jetzt nicht gegeben: Solche Forderungen liest man oft derzeit. Es gäbe nämlich Zeiten der Diskussion und Zeiten zum Handeln. Und weil man hier nicht einfach irgendeinen Firlefanz durchzuregieren hat, sondern ja auf Wissenschaftlichkeit gründende Maßnahmen, müsse man nicht lange diskutieren: Sondern einfach nur machen. Überhaupt gäbe es gar keinen Diskussionsbedarf bei Sujets, die aus dem Wissenschaftsbetrieb kommen. Kurz zusammengefasst lautet die Lehre aus dieser Haltung: Keine Diskussion jetzt, das ist schließlich Wissenschaft!

Diese Haltung ist nicht weniger als eine tief verankerte Orthodoxie. Denn wenn Wissenschaft ja eines ist, so doch der Umstand, dass man miteinander spricht, ausdiskutiert und auf Grundlage des Austausches zu Schlüssen kommt. Natürlich bedeutet das nicht, dass man nun mit Menschen in einen Dialog tritt, die den Ansatz vollends verleugnen. Aber wenn man wissenschaftliche Erkenntnisse in politische Entscheidungen münden lassen will, muss man auch jene in den Dialog einbeziehen, die grundsätzliche Bedenken haben, die die Umsetzbarkeit anzweifeln und anmerken, dass die teilwissenschaftliche Forderung anderen teilwissenschaftlichen Erkenntnissen im Wege steht.

Denn es ist ja immer noch so, dass die, die jetzt von evidenzbasierten Grundlagen sprechen und damit meinen, alles sei wissenschaftlich verifizierbar, immer nur einen Teilaspekt sehen: Wir sprechen von der Virologie. Die Medizin darf auch noch ein Wörtchen mitreden. Aber was ist mit der Soziologie? Der Psychologie? Der Ökonomie? Der Kulturwissenschaft? Das sind allesamt Wissenschaften, die andere Ansätze verfolgen und zur Diskussion einladen. Da aber keine Zeit zur Diskussion sei, fallen sie hinten runter, werden als Wissenschaften geächtet. Denn Wissenschaft diskutiere jetzt nicht. Jetzt komme es darauf an, die Welt zu verändern. Nicht sich auszutauschen.

Bekenntnisse: Sehnsüchte einer ansonsten irreligiösen Zeit

Im Grunde ist es nicht die Wissenschaft als Ganzes, die zu einer Orthodoxie mutiert, sich zu einer religiösen Bindung umdeutet. Die Virologie ist es, die diese Transformation durchlebt. Sie hat aber den Anspruch übernommen, die Mutter aller Wissenschaften sein zu wollen – sein zu müssen. Sie sei die eigentliche Wissenschaft, ohne sie seien alle anderen Fakultäten hilflos und verloren. Es ist die Hybris einer Fachrichtung, die wir hier beobachten. Sie spricht nicht mehr von Virologie, sondern von »die Wissenschaft« und meint sich damit selbst. Der Wahn fordert keine sachlichen Bezüge mehr, er will Bekenntnisse, biedert sich einer Symbolik an, die sich unterwirft, die den Sachbezug durch Überzeugung, Glaube, ja Frömmigkeit ersetzt.

Unter Umständen muss man diese Religiosität auch mit einer Sehnsucht erklären, die der conditio humana immanent ist. Einem Bindungsdrang, der sich nach Orientierung sehnt – und der die Sachlichkeit und den nüchternen Abstand aufgeben muss, um im ergebenen Dafürhalten aufgehen zu können. Die wissenschaftliche Distanz ist kein guter Ratgeber zur Beseelung: Nur die Inbrunst des Glaubens ermöglicht es, sich unterzuordnen und in eine Gemeinde einzugliedern. Nur sie beseelt die kühle Materie des Wissenschaftlichen und macht aus ihr eine Botschaft, ein orthodoxes Konzept (3), an das man ohne nachzudenken glauben und festhalten kann.

Es ist überhaupt nicht verwunderlich, dass das geschieht. In einem konfessionelleren Zeitalter hätten diese Rolle die Kirchen übernommen. Heute bedienen sie nur noch ein kleines Publikum, eine Gesellschaftsnische. Religiosität muss sich also anderer Phänomene bedienen. Woanders durchstoßen. Sich anderer Stilmittel bedienen. Die Wissenschaft in der durch soziale Netzwerke gesteuerten Massen- und Mediengesellschaft scheint geradezu prädestiniert dafür. Besonders wenn sie in ein Klima vordringt, auf einen Zeitgeist trifft, der parallel dazu in den Transhumanismus mündet, in die medizinische Überwachungsdystopie, in der Menschen zu Radiologen ihrer selbst werden sollen. In einem solchen geistigen Milieu ist der Glaube nicht nur Alternative: Er wird zur Voraussetzung.

Mit freundlicher Genehmigung von www.Kenfm.de

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