Australiens Lockdown- und Contact Tracing-Wahn

Der neue Podcast von Konstantin Demeter von Corona-Transition für Radio Qfm.network

Regionen und Städte machen bei relativ wenigen positiven Tests dicht.

Die Betriebe, in denen sich positiv Getestete aufhielten, werden im Fernsehen und auf Webseiten gemeldet.

Schon letzten Sommer fiel mir die besondere Art der «Corona»-Berichterstattung und des Umgangs mit der «Pandemie» in Australien auf. «Besonders» ist das alles sicherlich auch in Europa, doch Australien hebt sich nochmals davon ab. Erstaunlich fand ich vor allem die Obsession für das Contact Tracing und für brachiale Lockdowns bei relativ wenigen positiven Tests. In diesem zweiten australischen „Corona-Winter“ ist es wieder ähnlich.

Australien nutzte seine geografische Lage als Insel und schottete sich im März 2020 praktisch vollkommen ab. Seitdem dürfen Australier das Land nur noch mit Genehmigung verlassen. Dasselbe gilt für die Einreise, die zusätzlich eine zweiwöchige Quarantäne in einer von der Regierung definierten Unterkunft erfordert – auf eigene Kosten. Einzig aus Neuseeland dürfen sie seit dem 19. April 2021 wieder ohne Quarantäre einreisen. Auch innerhalb Australiens zu reisen kann problematisch sein. Der Australier Robert Carling schrieb dazu in der Weltwoche Nr. 27/21:

Auch die einzelnen Bundesstaaten haben wiederholt unangekündigt Einreisesperren verhängt. Eine inneraustralische Reise zu planen, ist ein reines Glücksspiel.

Verglichen mit Europa und den USA hatte Australien sehr wenige «Covid-Fälle». Bis jetzt sind dort 924 Personen mit einem positiven SARS-CoV-2-Test gestorben und es gab 34’384 positive Testergebnisse. Zum Vergleich: In der Schweiz waren es bis jetzt 10’417 Todesfälle und 717’665 positive Tests. Und Australien hat über 25 Millionen Einwohner, etwa dreimal so viele wie die Schweiz. Den ersten «Covid-Todesfall» in diesem Jahr meldete Australien am 12. Juli. Er habe eine 90-jährige «ungeimpfte» Frau betroffen. Laut WHO sind 2021 insgesamt zwölf Menschen mit einem positiven Test gestorben.

Trotzdem wurden und werden in Australien drastische Lockdowns verhängt, sowohl auf nationaler wie auf regionaler Ebene. Entsprechend gab es auch regelmässig heftige Proteste gegen die absurden Massnahmen. Wie Reuters am 29. Juli berichtete, wird in Sydney nun sogar die Armee eingesetzt, um den erneuten Lockdown durchzusetzen. Dieser hätte Ende Juli beendet werden sollen, wurde jedoch um mindestens einen Monat verlängert.

Letzten Donnerstag sei im Bundesstaat New South Wales, zu dem Sydney gehört, ein neuer Rekord mit 239 neuen «Fällen» an einem Tag registriert worden. Um das in den Kontext zu setzen: Es wurden fast 111’000 Tests durchgeführt. Und New South Wales hat 8,1 Millionen Einwohner – fast so viele wie die Schweiz. In der Schweiz liegt der «Tagesrekord» bei 2756 positiven Tests.

Nicht kommuniziert wird in Australien, wie auch anderswo, wie viele der positiv getesteten symptomatisch sind. Jedenfalls liegen 239 positive Resultate von 111’000 Tests bei weitem unterhalb der Fehlerquote der «besten» Tests. Es ist somit zu vermuten, dass die meisten Resultate «falsch-positiv» sind. Insbesondere bei einer niedrigen Prävalenz, die in der meist gesunden Allgemeinbevölkerung sicherlich gegeben ist.

Diese angeblichen «Fälle» sind zudem aufgetreten, während in der Region strikte Massnahmen galten. Nach dem Motto «wenn ein Medikament nicht funktioniert, erhöhe die Dosis!» werden nun die Massnahmen verschärft. Wie Reuters bekanntgab, würden Masken nun auch im Aussenbereich obligatorisch.

Zudem werde der Bewegungsradius der Bürger von 10 Kilometern auf 5 reduziert. Aus dem Haus dürfen die Menschen sowieso nur, wenn sie einer essenziellen Arbeit nachgehen oder wenn sie eine «begründete Rechtfertigung» dafür haben.

Um einige Beispiele der in Greater Sydney geltenden Massnahmen zu nennen: Nur eine Person pro Haushalt und Tag darf die Wohnung verlassen, um Lebensmittel oder andere Waren und Dienstleistungen einzukaufen. Mit Personen ausserhalb des eigenen Haushaltes in einem Auto zu fahren ist nur in Ausnahmefällen erlaubt. Man muss immer einen Beweis seiner Adresse bei sich tragen. Besucher dürfen nur in Ausnahmefällen nach Greater Sydney reisen.

In Down Under, oder eher «Lockdown Under», ist man auch besessen von Contact Tracing. In den im Fernsehen ausgestrahlten Medienkonferenzen werden jeweils die positiv getesteten Personen vermerkt. Es werden zwar nicht die Namen erwähnt, doch wo genau sich die Person zu welchem Zeitpunkt aufgehalten hat. Es werden die Namen der Restaurants, Geschäfte oder anderen Orte genannt und zum Teil auf Grafiken angezeigt. Alle, die im selben Zeitraum an diesen Orten waren, sollen sich testen lassen und sich isolieren.

Auf den Webseiten der regionalen Gesundheitsämter werden sämtliche Orte und Zeitspannen aufgelistet. Die neuesten sogar mit interaktiver Karte. Die Todesfälle werden an den Medienkonferenzen einzeln erwähnt, mit Angaben von Alter, Wohnort und «Impfstatus».

Die positiven Testergebnisse werden akribisch zurückverfolgt, um zu erfahren, wo sich die entsprechende Person «angesteckt» haben könnte. Wenn das nicht gelingt, werden sie als «mistery cases» definiert. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass auch Australien seinen digitalen Virus-Detektiv hat, die Contact-Tracing-App COVIDSafe.

Australien ist sehr weit weg von uns, eine Insel in einer besonderen Lage mit ihren ganz eigenen Besonderheiten. Doch die «Corona-Politik» ist generell ähnlich wie in Europa. Es lohnt sich somit zu beobachten, was im australischen Winter geschieht, um abzuschätzen, was im zweiten europäischen «Corona-Winter» geschehen könnte.

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